Vom neuen Leder, dem Oud der alten Welt und der unstillbaren Sehnsucht nach den seltsamen Wohlgerüchen der Schöpfung
Von Anbeginn an erhebt sich das Leder aus den Tiefen dieses alchemistischen Gebräus und hüllt die Sinne in den Zauber des Neuen. Es gemahnt mich an frisch erschaffene Dinge: die makellose Kutsche, deren Inneres noch den Duft der Werkstatt trägt, ein neu erschaffenes Polstergestühl für die Gemächer eines Edelmannes oder das geschmeidige Ledergewand, das eben erst die Hände des Sattlers verlassen hat. Nach geraumer Weile gesellt sich Oud hinzu, dunkel und geheimnisvoll, als entsteige es den verkohlten Truhen eines längst vergessenen Morgenlandes. Für einen flüchtigen Augenblick meine ich gar, die erdige Süße einer Möhre zu erschnuppern – doch mag es wohl sein, dass mein Geist hier lediglich den Schriften des Duftmeisters folgt, der mir diese Assoziation zuvor ins Ohr geflüstert hat. Und so ertappe ich mich nach jeder Besprühung dabei, wie ich meinen Arm wieder und wieder zur Nase führe, um das Elixier aufs Neue in mich aufzunehmen. Doch sei dies nicht mit reinem Genuss verwechselt. Vielmehr gleicht es einer seltsamen, beinahe unvernünftigen Begierde: jener, die uns an den Seiten eines frisch gebundenen Buches schnuppern lässt, die uns den scharfen Benzindunst an den Stätten der eisernen Kutschen inhalieren lässt oder uns den Geruch frischer Farbe am hölzernen Gartenzaun tief in die Lungen ziehen lässt. Es ist kein schlichtes Wohlgefallen, das mich zu diesem Duft zurücktreibt, sondern ein rätselhaftes Verlangen nach dem Geruch des Unberührten, des eben erst Geschaffenen. Als hätte der Alchemist nicht bloß Leder und Oud vermählt, sondern eine geheime Essenz eingefangen, die den Geist an jene sonderbaren Wohlgerüche fesselt, welche wir kaum schön nennen mögen und denen wir uns dennoch immer wieder hingeben.














