Neo-Chypre-Illusion
Zoologist Civet verspricht eigentlich eine Zeitreise in die Ära der großen, klassischen 70er-Jahre-Chypres. Allerdings wird diese nostalgische DNA hier nicht einfach kopiert, sondern durch moderne Moleküle und zeitgenössische Parfümerie-Technik komplett neu rekonstruiert. Das Opening ist laut und konfrontativ! Eine absolute Overdose an Gewürzen schlägt einem entgegen. Man spürt extrem präsent Kurkuma und Ingwer. Doch dieser Gewürz-Sturm beruhigt sich bereits nach wenigen Minuten und gibt den Weg frei für die Zitrik. Es ist jedoch nicht das süße Fruchtfleisch, das hier durchkommt, sondern rein die ätherische Schale im Zentrum eine unverkennbare, fast schon bittere Orangenschale. Im Herzen des Duftes entsteht dann ein grandioses, visuelles Bild. Die Orangenschale verkrallt sich in einem rauen, braunen Leder, exakt jenem Leder, das Beatrix Kiddo in Kill Bill Vol. 2 trägt. Begleitet wird diese Ästhetik von einem brillanten floralen Twist. Die berüchtigte "Oma-Tuberose" legt ihre Rolle als erdrückende Domina ab und zeigt sich hier überraschend modern und verspielt. Zusammen mit den restlichen floralen Noten entsteht ein hypnotisierendes, dichtes Bouquet, das einen sofort in seinen Bann zieht. Das alles bettet sich schließlich auf eine weiche, fast schon pudrig-süße Basis. Und genau hier liegt für mich der große Bruch! Für einen Duft, der den Namen "Civet" (Zibetkatze) trägt, fehlt mir auf der Haut schlichtweg die Animalik. Der erwartete raue, animalische Unterton bleibt leider fast komplett aus. Hinzu kommt, dass sich die klassische Chypre-Struktur viel zu schnell in Luft auflöst, was am Ende unweigerlich die Frage aufwirft " Ist das hier überhaupt noch ein echter Chypre? " Ein handwerklich starker, hypnotisierender Duft der sein namentliches Versprechen aber am Ende nicht ganz einlösen will.













