Taxidermie unter Neonlicht
Zoologist Hyrax ist kein Parfüm, sondern eine tiefgründige, fast schon literarische Charakterstudie. Das Opening trifft einen sofort überraschend lecker und massiv alkoholisch, als würde man ein dunkles, hochprozentiges Destillat atmen, das meisterhaft mit einer warmen, komplexen Würze veredelt wurde. Aus diesem berauschenden Auftakt schält sich schnell eine extrem spezifische Szene. Man riecht den Feierabend an einer verlassenen Tankstelle. Das Gesicht wird vom flackernden, grüngelben Neonlicht beleuchtet, die Umgebung dieses exzentrischen Charakters ist gezeichnet vom Leben, und in der Tasche steckt ein zerschlissenes Buch von Sadegh Hedayat. Die Ausstrahlung dieses Duftes ist absolut paradox. Er wirkt auf den ersten Eindruck erschöpft, abgekämpft und vom Leben gezeichnet. Doch unter dieser rauen Schale brennt eine unbändige, fast schon sture Motivation. Hyrax ist komisch, exzentrisch, aber auf eine bizarre Art und Weise unheimlich herzhaft und magnetisch anziehend. Im Herzen der Komposition dominiert ein massiver, kompromissloser Lederakkord. Das ist kein poliertes Luxusleder, sondern der Geruch von schweren, dreckigen Cowboy-Boots aus derbem Cordovan. Schuhe, die man nie auszieht und die den Staub von tausenden Kilometern in sich tragen. Flankiert wird dieses Leder von einer morbiden Animalik, die an die Atmosphäre eines Raumes voller ausgestopfter Tiere erinnert – still, staubig, aber faszinierend. Im Drydown offenbart Hyrax dann seine verdrehte, dunkle Romantik. Der Duft wird wärmer und präsentiert sich wie das Geschenk bei einem Date mit diesem exzentrischen Charakter. Ein schweres Glas Whiskey, begleitet von einem Strauß tiefroter Rosen, die nicht in Wasser stehen, sondern dick mit warmem, klebrigem Harz überzogen wurden. Hyrax ist rau, dreckig und absolut unkonventionell, aber genau deshalb ein handwerkliches Meisterwerk für alle, die das Rohe und Unperfekte lieben.













