Miguel Matos: Vom Kunstkritiker zum Parfümeur
Der Weg eines Autodidakten
Miguel Matos ist ein portugiesischer Parfümeur aus Almada bei Lissabon, der über einen ungewöhnlichen Weg zur Duftkreation fand. Bevor er Parfümeur wurde, arbeitete er als Kunstkritiker und Journalist — als Redakteur bei Time Out Portugal, Mitgründer des Kunst- und Kulturmagazins Umbigo und Autor für die Vogue Portugal. Seit 2013 ist er zudem Redakteur und Kolumnist bei Fragrantica, was ihm eine einzigartige Doppelperspektive als Kritiker und Schöpfer verleiht.
Vollständig autodidaktisch ausgebildet, studierte Matos systematisch jedes verfügbare Buch über Parfümerie, bevor sein Talent vom Parfümeur Christian Carbonnel (a.k.a. Chris Maurice) erkannt wurde, der sein Mentor wurde. Carbonnel lud ihn in sein Labor ein, stellte hochwertige Rohstoffe zur Verfügung und bot die technische Unterstützung, die Matos vom leidenschaftlichen Autodidakten zum professionellen Parfümeur machte. Sein erster kommerziell veröffentlichter Duft war
Jungle Jezebel für Sarah Baker Perfumes im Jahr 2018 — ein gewagtes Debüt, inspiriert von der Kultfigur Divine.
Olfaktorische Philosophie
Matos' Arbeit ist tief in den Traditionen der Vintage-Parfümerie verwurzelt, insbesondere den großen Chypres, die er als „eine der höchsten Formen der Parfümkomposition“ betrachtet. Doch seine Kreationen sind alles andere als nostalgische Reproduktionen — sie verbinden klassische Strukturen mit modernen, unerwarteten Wendungen. Seine Düfte leben von Kontrast und Überraschung und balancieren Komplexität mit Tragbarkeit. Wie er selbst sagt: „Tragbarkeit steht bei mir immer an erster Stelle, es sei denn, man bittet mich um etwas komplett Verrücktes.“
Zu seinen Signatur-Rohstoffen zählen
Rose,
Eichenmoos,
Amber und
Ylang-Ylang. Zu seinen Vorbildern zählt er Germaine Cellier als sein Idol, neben Sophia Grojsman, Guy Robert und Edmond Roudnitska.
Bedeutende Arbeiten
Mit über 100 Kompositionen hat Matos ein beeindruckendes Portfolio aufgebaut. Seine Kreation Young Hearts für Bruno Acampora gewann den Art & Olfaction Award 2020 in der Kategorie Independent, und er war seitdem mehrfach Finalist. Aktuell ist er Creative Director und Hausparfümeur bei Bruno Acampora Profumi.
Für Sarah Baker Perfumes schuf er
Jungle Jezebel, eine wilde und theatralische Komposition, sowie
Prism Head, einen gewagten
Patchouli-Duft mit Petrichor- und Geosmin-Noten, die den Geruch von Regen auf trockener Erde einfangen. Sein Schaffen erstreckt sich über zahlreiche unabhängige Häuser in ganz Europa und darüber hinaus, was ihn zu einem der produktivsten Parfümeure macht, die in den letzten Jahren aus der Indie-Szene hervorgegangen sind.