Lorenzo Orlandi Berti wuchs in Montepulciano auf, einer Hügelstadt in der Toskana, die für ihren Wein und ihre aromatische Landschaft berühmt ist. Schon als Kind konnte er die Parfüms seiner Freunde allein am Geruch erkennen. Diese natürliche Begabung deutete auf etwas Größeres hin.
Mit 17 schrieb er seine Abiturarbeit über die Psychologie des Parfüms. Er wollte verstehen, warum Düfte unser Denken und Fühlen beeinflussen. Diese Neugier wurde zum Fundament all dessen, was folgte.
Seinen ersten formellen Schritt in die Branche machte er mit 20, als er sich für den Kurs "Professione Olfatto" von Mouillettes & Co. einschrieb. Das Programm vermittelte ihm eine strukturierte Methode zum Einprägen von Gerüchen und ein tieferes Verständnis dafür, wie Düfte aufgebaut sind. Es öffnete ihm die Tür zu seinem Berufsleben in Mailand.
Berti begann als Praktikant bei Atelier Fragranze Milano. Innerhalb von fünf Jahren arbeitete er sich vom Laborassistenten zum Produktionsleiter hoch, bevor er den Titel des Junior-Parfümeurs erhielt. Dieser Werdegang sagt viel darüber aus, wie er arbeitet: methodisch, engagiert und stets lernbereit.
Im Atelier arbeitet er an der Seite seiner Mentoren
Luca Maffei und Paolo Cerizza. Luca und sein Bruder Marco Maffei, die das Haus gründeten, schenkten Berti Vertrauen und Raum zum Wachsen. Er schreibt ihnen die Möglichkeiten, die seine Karriere prägten, direkt zu.
Die kreative Philosophie von Atelier Fragranze Milano nennt sich "Human Centric Perfumery". Sie stellt Emotionen und Storytelling in den Vordergrund, nicht Markttrends oder Verkaufsdaten. Jeder Duft zielt darauf ab, Menschen auf einer persönlichen Ebene zu berühren. Dieser Ansatz passt perfekt zu Bertis Sensibilität.
Seine toskanischen Wurzeln zeigen sich in seiner Arbeit. Die bewaldeten Hügel, aromatischen Pflanzen und die traubenreiche Luft seiner Heimatstadt hinterließen einen bleibenden Eindruck in seiner Nase. Er beschreibt seine Verbindung zum Duft als etwas Spontanes, durch Training vertieft, aber niemals künstlich hergestellt.
Bertis bisher meistdiskutierte Kreation ist
Fig Tzatziki, entstanden in Zusammenarbeit mit Luca Maffei für die Marke Sãlum. Er gehört zur Kollektion "Med Mon Amour", einer Serie, die sich um mediterrane Sommer dreht.
Das Konzept ist kühn. Tzatziki ist ein Lebensmittel, keine Parfümidee. Es in einen tragbaren Duft zu verwandeln, erfordert echtes Können und Selbstvertrauen.
Der Duft eröffnet mit
Gurke,
Minze und
Feigenblatt. Die Kombination ist frisch und grün, wie wenn man an einem heißen Nachmittag in den Schatten tritt. Es hat eine Helligkeit, die sich natürlich und nicht synthetisch anfühlt.
Die Herznote wechselt zu etwas Wärmerem und Cremigerem. Griechischer Joghurt und reife
Feige verleihen eine weiche, fast essbare Qualität. Eine leise Note von
Jasmin fügt gerade genug floralen Auftrieb hinzu, um ihn im Gleichgewicht zu halten. Er bewegt sich bequem in den
Gourmand- und
Fruchtig-Kategorien, ohne zu stark auf Süße zu setzen.
Die Basisnote legt sich als Feigenmilch,
Sandelholz,
Amber und
Moschus nieder. Die Sillage ist moderat und hinterlässt eine dezente, aber wahrnehmbare Spur. Die Langlebigkeit hält gut über den Tag an, was ihn zuverlässig für das Tragen bei warmem Wetter macht. Er funktioniert am besten im Frühling und Sommer und passt zu legeren und gesellschaftlichen Anlässen.
Neben Sãlum hat Berti Düfte für Marken wie A13, Egōscentrique, Grande, Masca Parfums, Necalli, Roccobarocco, Spiritica und Susurri kreiert. Diese Bandbreite zeigt, dass er verschiedene kreative Aufgabenstellungen meistern kann, ohne seine eigene Stimme zu verlieren.
Er steht noch am Anfang seiner Karriere, doch sein bisheriges Werk ist bereits vielfältig und interessant. Parfümeure, die persönlichen Instinkt mit technischer Disziplin verbinden können, bauen sich oft einen bleibenden Ruf auf. Berti besitzt beides. Behalte im Auge, was er als Nächstes tut.