Gewürztee im Wald, frisch gesägtes Holz und süße Schokolade mit Tonkabohne
Durch die ersten ca. zwei Stunden Brutus muss ich mich leider etwas quälen. Ganz am Anfang rieche ich tatsächlich sehr kurz mal irgendwas Frischeres, was man als Bergamotte deuten kann. Das verfliegt aber innerhalb Sekunden. Was bleibt, ist dunkelgrün, erdig, pfeffrig, bisschen modrig, würzig, leicht säuerlich und etwas salzig. Bildlich gesprochen: Nasser Waldboden, Moos, Farn, schwarzer Pfeffer, säuerlich-salzige Sojasoße, aber auch Gewürznelke. Und definitiv nicht kühl und erfrischend, sondern eher Richtung Sauna-Aufguss, warmer Gewürztee oder dampfende, medizinische-kräuterige Inhalation. Das erste mal fand ich es okay, dann aber jedes Mal unangenehmer. Eventuell ist das tagesformabhängig. Am Anfang ist das für mich aber kein angenehmer Duft. Das ist zwar bei Bergamask ähnlich, aber hier habe ich mich bereits daran gewöhnt und mag auch den Start. Ob das bei Brutus noch so kommt, weiß ich nicht. Durch diese Phase muss man durch, denn nach ca. zwei Stunden wandelt sich der Duft und wird deutlich angenehmer. Er wird holziger und süßer, und erinnert mich an den Geruch in einer Schreinerei mit frisch aufgeschnittenen Bretter. Dazu kommt noch eine würzige Note in Richtung Gewürznelke und etwas Koriander. Außerdem zunehmend Tonkabohne und etwas schokoladiges, cremiges. Sehr barbershop-mäßig, edel, angenehm, etwas vornehm. Es hat etwas Ruhiges, Dunkles, und passt besser zu Menschen ab der zweiten Lebenshälfte und auch eher in die dunklere Jahreszeit. Diese süße Tonkabohne verstärkt sich im Verlauf, der Duft bleibt aber grün und holzig. Je länger der Duft andauert, desto besser finde ich ihn. Nur meine Frau findet ihn dann irgendwann zu süß und feminin. Der Duft ist ziemlich hautnah, er projiziert nur wenig. Die Haltbarkeit ist sehr gut: Am nächsten Morgen ist er noch gut riechbar, nach dem Duschen aber nicht mehr. In der Kleidung ist er bis zur nächsten Wäsche riechbar. Ich mag den Duft, aber tatsächlich erst nach zwei Stunden.













